Zitate aus/Analogien in der HEIMAT-Trilogie

Die folgende Auflistung war ursprünglich Bestandteil meines Berichtes über die Premieren von HEIMAT 3 in München und Simmern. Inzwischen wurde die Sammlung durch fachkundige und sensible Besucher erheblich erweitert.

Für ergänzende Hinweise bin ich jederzeit dankbar.

Thema HEIMAT DZH HEIMAT 3
Als Hermann in HEIMAT 3 nach Schabbach an sein Elternhaus zurückkehrt, verhält er sich genau wie einst Paul, als der aus dem 1. Weltkrieg und nach dem 2. Weltkrieg aus Amerika dorthin zurückkam (Blick durch die Fenster der Schmiede). Stets trägt der Protagonist dabei einen langen Mantel. Film 1+8   Film 1
Moni ist voller Bewunderung für Tillmanns technische Fähigkeiten ("Was du alles kannst ..."), und versucht gleichzeitig, sein Herz zu gewinnen. Diese Konstellation, auch die darin gezeigte körperlich Nähe, die Umarmung, erinnert sehr an die Szene in HEIMAT, in der Maria Paul beim Bau des Radios hilft.* Film 1   Film 2
Wie im allerersten und zweiten Teil von HEIMAT spielt auch in HEIMAT 3 eine Marderfalle eine wahrhaft einschneidende Rolle. Filme 1 und 2   Film 4
"Freundlich, freundlich ..." weist Clarissa Gunnar, Udo und die Bankangestellten an, als sie sie fotografiert, so wie einst der Eduard. Ebenso die Szene, in der Herr Schwarz (ein Angestellter Antons) ein Familienfoto zum 50jährigen Bestehen der SIMON-OPTIK aufnimmt und die am Dülmener Badessee, wo ein junger Mann Dorli, Marianne und Helga aufnimmt. Filme
1, 2 etc.
Film 5 Film 1 bzw. 4
Kat fährt ins Ruhrgebiet zu Ihrem Bruder. Sie lauscht im Zuge dem Gespräch einer jungen Familie, welche vom Anblick des in der Nacht am Horizont leuchtenden Symbols der Bayerwerke hingerissen ist. Dazu verhält sich Gunnars und Udos Faszination für das leuchtende Blau des Logos einer Araltankstelle.** Film 2   Film 1
Eduards Denkmalenthüllungsmechanismus steht analog zu dem Urnenabsenkmechanismus auf Antons Beerdigung. Aber auch die Enthüllung der nackten Frau in Hermanns Konzert für eine abwesendes Cello (Die zweite Heimat) regte in mir Assoziationen zu Eduards Mechanismus an.** Film 2 Film 3 Film 4
Galina läuft durch das Dorf und sucht den Arzt, so wie einst Maria, als die kleine Lotti mit hohem Fieber bei den Simons im Bett liegt und im Dorf die Diphterie umhergeht.* Film 2   Film 3
Autos - begeisternde Technik: In HEIMAT schwärmt Edu gegenüber Glasisch und Glockzieh über Lucies Auto: "Sechs Zylinder!" Glasisch: "Dat is'n Auto, hm?". In HEIMAT 3 sprüht Hartmut nur so vor Begeisterung für Autos, etwas gegenüber Matko, dem er allerdings nicht die technischen Daten seines Horch, Baujahr 38, erklären muss, oder auch gegenüber Galina: "Das Autochen hier ist aber auch nicht zu verachten, 250 PS!" Und die Sitze? "Kalifornisches Büffelleder. Direkt aus dem wilden Westen."* Film 2   Filme 3 und 5
Glasich stellt verdutzt fest, dass die Frau mit dem weißen Pferd den Schinderhannes nicht kennt: "Die kennt de Schinderhannes net."
Gunnar stellt entsetzt fest, dass seine Kinder, die er lange nicht gesehen hatte, nicht mehr wissen, wer Honecker war.**
Film 2   Film 6
Lucie pflückt auf der Wiese nahe der Baldenau hastig und als Notlösung einen Blumenstrauß für Eduards Mutter.
Frl. Cerphal rupft hastig Blumen aus dem Beet vor dem Seniorenheim, um sie ihrem Vater mitzubringen.
Lulu pflückt aus dem Beet vor dem Restaurant, in dem sie mit ihren Freunden ihr Diplom gefeiert hat, hastig Blumen, um sie Clarissa mitzubringen.**
Film 2 Film 8 Film 3
Ein eher verstecktes, möglicherweise gar nicht beabsichtigtes Detail: Gunnar sagt zu Martina, die für ihn Karl-Marx-Orden-Schächtelchen produziert, in Bezug auf ihre Zukunft: "Na, hoffentlich schickt er [dein Freund] dich nicht auf den Strich ..." (Erinnern Sie sich an die Martina aus HEIMAT?) Filme
2, 4, 5
  Film 2
Ein SS Aufseher erklärt Korbmachers Hänschen, wie man korrekt mit einem Gewehr sein Ziel anvisiert. Ein KZ Häftling wird ins Visier genommen. Reinhard erklärt Olga, wie sie mit der Winchester ein Ziel anvisieren muss. Olga nimmt Evelyne ins Visier.** Film 3 Film 4  
Lebensweisheiten, die erste: Rudi in Bezug auf Hermanns verletzten Fuß: "Hermann, gar net hingucken, dann heilt's besser, das ist meine Erfahrung im Leben". Lebensweisheiten, die zweite: Lucie über das Katzengold: "Ach Edu, wenn man nich so genau hinkiekt ist alles Jold. Det is meine Erfahrung im Leben."* Film 3   Film 4Zit
Zitat: „Wie es jetzt ist, so könnte es immer bleiben!“ (Eduard Simon bzw. Udo/Gunnar).*** Film 4   Film 1
Rote Nelken fallen vom Himmel. Nicht nur zur Ferntrauung von Martha und Anton in Schabbach, als Ernst diese aus dem Cockpit seines Bombers warf, sondern auch vom Loreleyfelsen, als Matko sich von seinem väterlichen Freund Ernst (sic!) verabschiedet. Eine wunderschöne, sensible Parallele. Film 5   Film 5
Irgendwie besteht m. E. auch eine Analogie Zwischen der Fernhochzeit von Anton und Martha  und der Videoaufzeichnung von Arnolds Hochzeit in Amerika, welche sich Clarissa im Krankenhaus anschauen kann.** Film 6   Film 4
Anton, der "Fußgänger", spaziert vor dem Auto her wie einst Paul, als er aus Amerika zurückkam.* Film 7   Film 3
Wie einst sein Vater Anton ist Hartmut der Überzeugung: "... jetzt wird die Welt neu verteilt ...", nur dass sich Anton davon heute nichts mehr annimmt. Film 8   Film 3
Paul der Amerikaner friert, er möchte zu Maria ins warme Bett, doch sie weist ihn ab. Diametral entgegen zu dieser Szene steht die Ehe von Rudi Molz und Lenchen. Sinngemäß sagt Lenchen: Ich geh schon mal rauf ins Bett und wärme es für dich an.** Film 8   Film 1
Große Reden mit Tusch im Festsaal: Paul anlässlich seiner Rückkehr; Anton angesichts der Taufe des Kindes von Hartmut und Mara.*** Film 8   Film 3
Kluge und weniger kluge Geschäftsideen: Pieritz will mit einer Firma für Radioskalen und –anlagen groß herauskommen; Anton macht mit seinen Optischen Werken Karriere, Ernst geht mit seinem Hubschrauber-Transport-Unternehmen pleite und spezialisiert sich anschließend auf den Handel mit rustikalen Bauteilen, die bei der "Modernisierung" von Häusern abfallen; Gunnar wird mit seinen Mauersteinen Millionär. (teilw. ***) Filme 8-11   Film 2
Auch diesmal bringt Ernst wieder eine Frau ins Spiel, die Ärger bereitet: Einst das Klärchen, an die das Hermännchen sein Herz verlor, nun Galina, die Antons verheiratetem Sohn Hartmut Simon den Kopf verdreht. Film 9   Film 3
Hermann genießt einmal mehr weibliche Handgreiflichkeiten und wird daraufhin als "etwas Besonderes" beurteilt ... ;-))* Film 9 Film 5 Film 4
Pieritz bringt auf der Firmenveranstaltung der Simon Werke im Gemeindesaal von Schabbach einen Witz über den sächsischen Dialekt zum Vortrag: Fragt der Lehrer: Was ist eigentlich "Lääm" (Lehm) ? Die Schüler antworten: Was für en "Lääm" meinen sie, Herr Lehrer? etc. etc.
Rudi erklärt Udo, dass die Zwischenräume im Fachwerkhaus mit Birkefelder Lehm gefüllt werden. Er erklärt zusätzlich, dass moderne Baustoffe in der Hunsrücker Luft versagen.
Udo fragt daraufhin in stilechtem Sächsisch: "Birke ...? Was für en "Lääm" ?**
Film 9   Film 1
Antons vergoldete Stiefel tauchen wieder auf, "Fußgänger" (Zitat Ernst) bleibt eben Fußgänger ... Film 10   Film 4
Anton preist die hunsrücker Küche an, einst gegenüber den Geschäftsleuten, die seine Firma aufkaufen wollen, jetzt den Bauarbeitern aus dem Osten.* Film 10   Film 1
Wenn Anton Herzprobleme hat hilft ihm eine Fußmassage, früher von seiner lieben Martha (ihr Todesdatum wird mit 1987 angegeben, leider begegnen wir ihr in H3 also nicht mehr), heute von seiner (einzigen und) Lieblings-Schwiegertochter Mara.* Film 10   Film 3
Anton beklagt sich über die Methoden der Amerikaner, jedes sich stellende Problem mit Geld zu lösen. Er  sagt: "Das ist typisch amerikanisch. Wenn ein Ami auf dem Trottoir geht, wo unsereiner sagt: Verzeihen sie, würden sie bitte Platz machen, sagt der Amerikaner: Was kostet das, wenn sie zur Seite gehen." Anton imitiert dabei den starken Akzent eines deutsch sprechenden Amerikaners. Genau auf diese Methoden trifft Stefan bei den Filmproduzenten aus Amerika. Man geht gleich zum Kern der Sache und fragt mit amerikanischen Akzent: "Was kostet es, wenn sie ihren Film verschieben?"** Film 10  Film 12  

Das Kriegerdenkmal wird nach fast 50 Jahren von einem Laster mit Auslegerkran verladen.
Ernst und Toby verladen die Leninstatue mit einem Laster mit Auslegerkran aus NVA- Beständen.**

Film 10   Film 2
Die wohlhabenden Gönner, die Hermann und Clarissa fördern: Paul Simon, Dr. Kirchmaier und Konsul Handschuh.*** Film 10 Filme 1-11 bzw. Filme 11-13  
Ernst, der nach wie vor seinem Motto treu ist: "... immer nur ne kurze Bodeberührung, dann gleich wieder durchgestartet ..." Film 11   Filme 2
und 5
Hermann erlebt im Traum noch einmal den im Gewitter auf der Straße zurückgelassenen Sarg, und die in HEIMAT 3 verstorbenen Verwandten und Freunde treten noch einmal auf, genau wie in HEIMAT beim "Fest der Lebenden und der Toten". Film 11   Film 6
Sowohl bei der Beerdigung seiner Mutter als auch bei der Beisetzung von Rudi Molz muss sich Herrmann  zuvor aus dem Auto heraus noch entsprechend kleiden. Auch in München gibt es eine ähnliche Situation. Als Herrmann mit Juan in der Straßenbahn zur Villa in Grünwald fährt, müssen sich beide improvisiert in der Straßenbahn umkleiden.** Film 11 Film 2 Film 6
Anton erleidet auf der Dorfkirmes einen Hörsturz. Er hört alles nur noch ganz schwach und als diffuses Geräusch. Auf dem Oktoberfest versucht Herrmann sich vorzustellen, was ein tauber Mensch von dem Klangwirrwarr noch vernehmen kann. Dazu steckt er sich die Finger in die Ohren und hört nur noch diffuses Gegrolle und das Knuspern der gebrannten Mandeln in seinem Mund.** Film 11 Film 13  

Ernst Blicke schweifen durch die Küche im Simonhaus. Im Schrank findet er ein reliefartiges Hitlerbild. Er klopft drauf und stellt kurz und abwertend fest: Gips.
Rob und Reinhard im Treppenhaus der Hockschule auf der Suche nach geeigneten Drehorten. Rob sagt: „Schau dir das an, harter deutscher Marmor.“ Reinhard erwidert: „Blödsinn, alles polierter Gips.“**

Film 11 Film 2  

Ansgar ist tot. Evelyne und Ansgars Mutter treffen sich in Ansgars Zimmer. Seine Mutter findet eine Spritze und zieht daraus den Rückschluss, Ansgar könne Drogen genommen haben. Evelyne verweist auf Ansgars Medizinstudium.
Herrmann dringt mit handwerklicher Hilfe des Nachbarn in Lulus Wohnung ein. Die Nachbarn finden ebenfalls eine Spritze und denken sich ihren Teil. Lulu wirft sie aus der Wohnung und weist darauf hin, dass man mit einer Spritze auch Druckerpatronen füllen kann.**

  Film 4 Film 4
Die amerikanischen Manager aus der Filmbranche, die sowohl Stefan als auch Gunnar zu Geld kommen lassen.***   Film 12 Film 2
Die „Sachsen“: Pieritz, Martina, die sächsischen Arbeiter an der Reichshöhenstraße (1.Staffel); Bernd (2.Staffel); Gunnar, Udo usw. (3.Staffel)*** Filme 3-11 FIlme 3-12 Filme 1-6
Nazis und Neonazis: Staffel 1 in verschiedenen Folgen, Staffel 2 (Prügelei auf dem Oktoberfest), Staffel 3: Neonazis im Treppenhaus und im Gefängnis (Zellennachbar von Gunnar). *** Filme 3-8 Film 13 Filme 3+6
Die Häuser, die jeweils einen zentralen Treffpunkt darstellen: Wohnhaus der Familie Simon, Villa von Eduard und Lucie, Haus von Fräulein Cerphal, das Günderrodehaus.*** alle Filme

Die mit * gekennzeichneten Parallelen/Zitate wurden von Theresia van der Meij aus Beverwijk/NL entdeckt, die mit ** gekennzeichneten stammen von Hanns Ulrich Girod aus Essen, und die mit *** gekennzeichneten von Joachim Eiben aus Neuss. Herzlichen Dank!

Schließlich noch ein "Special" von Hanns Ulrich Girod. Ihm ist aufgefallen, dass in allen drei Teilen der Trilogie immer wieder das Motiv des Blickes zum Mond auftaucht. Hier seine Fundstellen:

Heimat

Film 7: Noch während Glasich über die Fotographien erzählt sehen wir, wie Martha das Simonhaus verlässt und durch das nächtliche Schabbach geht. Dabei blickt sie (an Anton denkend) zum Mond und Glasichs Stimme fragt: „Ist der Mond, wo über Schabbach scheint, eigentlich derselbe Mond, wo über Russland steht?".

Film 9: Herrmann und Klärchen gehen Arm in Arm (und Hand in Hose) dem am frühen Abend tief stehenden Vollmond entgegen.

Die Zweite Heimat

Film 1: Herrmanns erster Abend in München. Er ist glücklich und blickt zum Mond. Zusätzlich scheint der Himmel für ihn voller Geigen zu hängen.

Film 3: Nach der Vorführung des Kurzfilmes über die Münchener Oper lobt Fräulein Cerphal die drei Macher des Filmes. Sie blickt zum Mond und stellt eher bedeutungslos fest: „Was haben wir heute doch für einen schönen Mond."

Film 9: Zweimal zeigt uns Edgar Reitz den Mond, ohne dass er in Bezug zu einem bestimmten Charakter oder Beziehung zu stehen scheint.

Film 10: Venedig. Reinhard und Esther liegen im Bett. Esther ist der Meinung, das Reinhards Sicht auf ihre Geschichte viel zu deutsch und romantisch sei. Sie zitiert aus den ersten Entwürfen für das Drehbuch: "Alexander sieht zum Fenster hinaus und betrachtet den Halbmond, der über Venedig steht". Esther dreht sich um, und am Nachthimmel erblickt sie einen Halbmond. ... Sie zitiert weiter aus dem Drehbuch und Reinhard ergänzt, Grillparzer zitierend: „Der Halbmond glänzet am Himmel, und es ist neblig und kalt. Gegrüßet seiest du Halber dort oben.“ Esther erklärt, dass der Mond zunehmend ist, wenn die Rundung rechts ist. Beide blicken intensiv zum Mond.

Eine besondere Form des „zum Mond Blickens“ zeigt Film 12: Renates U Boot. Besucher (u. a. Alex , Schlüsschen) verfolgen in den frühen Morgenstunden des 20. Juli 1969 im Fernsehen die erste Mondlandung. Auch sie blicken irgendwie zum Mond. Doch mit diesem Tag verliert ein Jahrhunderte altes Symbol für Liebe, Sehnsucht und Fernweh seine Zauber. Selbst diese unerreichbar zu scheinende Ziel kann nun vom Menscher erreicht werden.

Film 13: Herrmann kommt in Köln an. Er blickt zu Mond, welcher hoch oben neben dem Kölner Dom steht.
Amsterdam: Herrmann und Clarissa im Zimmer des kleinen Eckhotels. Herrmann geht zum Fenster und blickt zum Mond hinauf. Clarissa geht später auch zum Fenster und blickt zum Mond hinauf. Beide liegen auf dem Boden, der Mond wirft klares Licht auf die Liebenden.

Heimat 3 Film 1: Bei der ersten Besichtigung des Günderrodehauses durch Clarissa und Herrmann wird mehrmals der volle Mond gezeigt.