Michael Kessler aus Kisselbach (Hunsrück) über seine Tätigkeit als Produktionsfahrer bei HEIMAT 3

Zu dem Job kam ich wie die Jungfrau zum Kind, ich bin selbständiger Tischlermeister und vor allem als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für das Tischlerhandwerk bei der Handwerkskammer in Koblenz. tätig.

Im Febr. 2002 wurde ich vom Vermieter der Wohnung, in der Franz Bauer, unser 1. Ausstatter wohnte, angerufen „Die Leute vom Film brauchen einen Fahrer „na, das passt doch“ sagte ich und fuhr ins Produktionsbüro nach Riesweiler.

Eine kurze Erklärung von Jochen Ludwig, dem damaligen Produktionsleiter, ergab das zunächst ein Tischler gebraucht wurde, der die Büros mit einrichtet.

Das war meine erste Tätigkeit beim Film und die dauerte ca. 2 Monate. Die eigentliche Aufgabe eines Fahrer war mir noch immer nicht klar, ich dachte fahren halt, weit gefehlt, ein Fahrer holt morgens die Schauspieler in den jeweiligen Hotels ab und bringt sie zur Maske u. Garderobe. Der erste war in der Regel Henry Arnold, er hatte die längste Maske bei Paul Schneider. Dann ging es los nach Teistungen bei Göttingen der erste Drehtag. Klar, dass ich die Anfangszeit 6.45 Uhr um eine viertel Stunde überzog und mir einen Anpfiff vom 2. Aufnahmeleiter Soltan einfing.

2 Tage Teistungen, danach Abreise nach Berlin.

10 harte Tage, und vor allem Nachtdrehs im Hotel Kempinski, am Kuhdamm, am Brandenburgertor/Siegessäule. Kreuz und Quer durch Berlin düsen, Material, Essen und Trinken für den Set besorgen. Kaffe kochen, Brötchen schmieren helfen.. usw. Man lernt Berlin schnell kennen, sieht leider nicht viel davon. Morgens um 6 Uhr ins Bett und um 14.00 Uhr wieder raus. 

Eine wichtige Erfahrung war, dass ein Fahrer zum Ansprechpartner für die Schauspieler wird. „Wie war der Tag gestern?, wie war es am Set?, waren alle gut drauf?", viele Fragen um den Tag, die Themen die heute abgearbeitet werden sollten, alles was die Sache menschlich macht war während der Fahrt zum Set ein Thema.

Es war für mich eine große Erfahrung, alle Schauspieler auf diese Weise kennen lernen zu dürfen. Alle waren sehr nett und hilfsbereit, vor allem, da ich überhaupt keine Ahnung vom Film und der damit verbundenen Arbeit hatte. Einmal sagte ich bei der Begrüßung eines neuen Hauptdarstellers "ich bin der Michael, ich bin nur der Fahrer hier", darauf bekam ich zur Antwort, "sag nicht nur der Fahrer, die Fahrer sind mit die wichtigsten Leute, du darfst deinen Job nicht unterschätzen".

Der Mensch ist lernfähig. So konnte ich in den Gesprächen mit den Schauspielern und den Teammitgliedern lernen.

Ich war trotz der harten Tage und Nächte voller Arbeit in einer großen inneren Anspannung, „Ist das was ich mache richtig“, diese Frage stellte ich mir oft. Da keine gegenteilige Meldung einging war offensichtlich alles in Ordnung.

Es machte mir Freude im Team zu sein.

Gründonnerstag Abfahrt in den Hunsrück

Fortsetzung folgt

© Michael Kessler, 1.11.2004

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