Helma Hammen aus Schlierschied/Hunsrück über ihre Tätigkeit als Casterin der Darsteller und Komparsen aus der Region

Jahreswechsel 2000 – 2001!

Ich schaute in eine ungewisse Zukunft. (Lulu in der Schlussszene von Heimat3)

Arbeitslos! Zum ersten Mal in meinem bisherigen Leben. Meinen Beruf (Krankenpflege) musste ich schweren Herzens aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Der Weg zum Arbeitsamt fiel mir schwer. Neu orientieren war angesagt. Nur wohin? Das war die Frage.

Durch eine Bekannte hörte ich, dass Edgar Reitz eine dritte Staffel Heimat drehen wollte. Ja, eine Arbeit mit Edgar Reitz, das konnte ich mir gut vorstellen. Mir war Edgar Reitz natürlich ein Begriff, ich kannte ihn von den Dreharbeiten zu Heimat1. Die Theatergruppe Dumnissus Kirchberg, der ich seit 1975 angehöre, hatte bei Heimat1 schon mitgewirkt. Auch ich hatte eine kleine Rolle im ersten Teil. Im März 2001 traf ich Edgar Reitz auf der Beerdigung von WoWa (Wolfram Wagner, Leiter und Gründer unserer Theatergruppe und "Mätthes Pat" von Heimat1) wieder. Ich brachte Edgar Reitz mein Anliegen, eine Arbeit bei Heimat3, vor. Ich höre ihn heute noch sagen: "Oh Helma, die Krankenpflege und der Film ist aber ein großer Unterschied". Das wusste ich selbst. Auch die Finanzierung für Heimat3 sei noch nicht klar. Edgar Reitz wollte sich mein Anliegen überlegen und mir dann Bescheid geben. Meine Geduld wurde auf eine lange Probe gestellt.

Im Oktober 2001 kam der erlösende Anruf! Am 14.10.01 wurde ich von Edgar Reitz zu einem persönlichen Gespräch eingeladen. Er war im Hunsrück! Die Finanzierung von Heimat3 war abgeschlossen. Nun konnte es losgehen! Im Forsthaus in Riesweiler erzählte mir Edgar Reitz in seiner einfühlsamen Weise von Heimat3. Er stellte mir jede Figur seiner Geschichte vor. Mir wurde ganz schnell klar, keine leichte Aufgabe! Aber ich war begeistert! Ich bat um eine Nacht Bedenkzeit, um mir klar zu machen, ob ich diese Anforderung bewältigen könne. Aber auf dem Nachhauseweg habe ich gedanklich schon Rollen besetzt und überlegt, welche Figur für dieses Projekt in Frage käme. Am 15.10.01 habe ich telefonisch zugesagt mit den Worten: "Ich werde es versuchen". Erfreut hörte ich den Satz: "Herzlich willkommen im Edgar Reitz Film Team"!

So begann die Zeit des Castens Hunsrücker Darsteller. Jetzt konnte es losgehen. Mein Hobby wurde zum Beruf. Ich besuchte etliche Theatergruppen in der Region. Überall wurde ich mit offenen Armen empfangen. Ja, alle wollten am Casting teilnehmen. Ich schaute mir Stücke an, fotografierte die Schauspieler, katalogisierte, und meine Sammlung füllte sich. War Edgar Reitz im Hunsrück, so schaute er sich meine Bilder an, wählte aus, oder er sagte: "Such weiter"! Im Januar 2002 war es dann soweit. Probeaufnahmen waren angesagt. Ich bestellte die Ersten ein. Edgar Reitz war von einigen begeistert, andere mussten neu gesucht werden. Eine unangenehme Aufgabe für mich, wieder abzusagen! Aber auch das musste ich lernen. Anfang März stand die Besetzung zum größten Teil. Wurde auch Zeit, der erste Drehtag (20.03.02) rückte immer näher. Im Osten ging es los (Grenzübergang und Mauerfall). So, nun fehlte noch die Komparserie. In die Hunsrücker Zeitung kam der Aufruf: "Wer hätte Lust und Zeit, in Heimat3 als Komparse dabei zu sei?" Eine Komparsensprechstunde wurde eingerichtet. Einmal wöchentlich saß ich am Telefon, dienstags von 9.00 bis 12.00 Uhr. Es gab einen großen Andrang, viele wollten dabei sein. Nun wurden auch die Komparsenmappen gefüllt. Einsortiert wurde in Rhein, Hunsrück, nach Alter und in Gruppen. Mir war klar, wird am Rhein gedreht nimmt man dort die Leute, wird auf dem Hunsrück gedreht, kommen die Hunsrücker an die Reihe. (Übrigens: Ich war nie gefragt worden, ob ich die Komparserie übernehme wolle, ich hatte sie einfach).

Helma Hammen mit Teilnehmern der HEIMAT-Bustour sowie den Darstellern Karl Heinz Kaiser und Christel Schäfer am 29.10.2004 in Woppenroth. Film war für mich ganz neu. Woher sollte ich auch die Erfahrung haben? Ich glaube, wenn ich am Anfang gewusst hätte, was alles auf mich zukommen würde, hätte ich gesagt: "Tut mir leid, dass kann ich nicht schaffen!" Aber ich wusste es nicht! War auch gut so. Die Worte "geht nicht" gab es beim Film nicht. Es ging immer! (Habe ich aber später erst gelernt). Unbefangen und mit viel Begeisterung ging ich an die Arbeit. Drehbücher, Drehpläne, Dispo, Drehtage, Termine mit den Darstellern, die Komparserie, ich schaffte mich rein. Im April 2002 war erster großer Drehtag mit vielen Komparsen. Die Menschenkette um Pfarrer Dahl. 400-500 Komparsen wurden gebraucht. Jetzt ging es los mit der Komparsenmappe. Etliche Gruppen wurden angefragt. Ich bekam die Leute zusammen. Nun kam der erste Schlag, der Termin wurde geändert! Nun ging die Suche von vorne los! Dann zum zweiten Mal ! Ich dachte ich dreh durch! Jetzt wurde mir klar: Bevor ich schon am Anfang aufgebe, hole ich mir eine Hilfe. Nun kam meine Freundin Margot Roeper ins Spiel. Zusammen schafften wir diesen großen Drehtag! Wir waren ein gutes Team! Am 12.04.02 wurde die Menschenkette endlich gedreht mit ca. 500-600 Komparsen. Es war überwältigend! Edgar Reitz lobte uns für diese Arbeit und fragte: " Wie habt ihr das geschafft?" Wir wussten es: Telefonieren, telefonieren, telefonieren!!!!!!! (Drehplanänderungen sind für mich bis zu Schluss ein Horror geblieben. Man hatte geplant und dann war alles hinfällig. Die Änderungen waren abhängig vom Wetter, von Terminen der Schauspieler, der Technik und vielem mehr.)

Wir hatten es uns zur Aufgabe gemacht, die Komparsen zu betreuen und zu versorgen. Sie wurden gebraucht! Es sollte ihnen in den langen Wartezeiten bei den Dreharbeiten gut gehen. Ich hoffe, es ist uns gelungen. Viele sind gerne wieder gekommen. Insgesamt haben bei den Dreharbeiten im Hunsrück ca. 2478 Komparsen mitgewirkt. Aber nicht nur Hunsrücker wurden gebraucht, sondern auch 40 Holländer, 60 Russlanddeutsche, Japaner, Engländer, GIs und viele, viele mehr!

2 Jahre habe ich für Edgar Reitz gearbeitet (15. Oktober 2001 – 15.Oktober 2003). Es war eine harte, anstrengende, erfahrungsreiche und dankbare Zeit. Ich bewundere Edgar Reitz für seine einfühlsame Art mit Menschen umzugehen. Ich bin stolz bei diesem Projekt mitgewirkt zu haben. Es war für mich eine große Erfahrung in diesem guten und professionellen Team zu arbeiten. War nicht immer leicht! Die letzten Wochen der Dreharbeiten habe ich mit einem Berganstieg verglichen. Je höher man kam, umso steiler wurde es. Mir ging die Luft aus! Die Versuchung, umzukehren, war groß. Aber ich wollte doch mit nach oben! Am 11. Oktober 2003 war es soweit. Letzter Drehtag in Woppenroth (Traumsequenz Hermann mit Sarg). Edgar Reitz sagte für mich zum letzten Mal: "Drehschluss!" Kaum zu glauben, ich hatte es geschafft! Wir waren auf dem Gipfel angekommen! Heimat3 war im Kasten!!!! 

Wie man die Menschen für Heimat3 begeistert und vieles, vieles mehr aus dem Nähkästchen erzähle ich gerne den Heimatfans auf meiner persönlichen "Reise" durch Heimat3. Info: www.heimat-reise.de

© Helma Hammen, 2005.

Informationen zu den von Helma Hammen oder Eva Maria Schneider geführten HEIMAT-Bustouren der Hunsrücktouristik finden Sie auch hier.

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